Empathie - Fluch und Segen zugleich

© Stock-Fotografie-ID:501646960 / Bildnachweis "andrej_k"
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Einfühlungsvermögen! Genau das brauchen wir heutzutage mehr denn je! Denn in Zeiten, in denen Konflikte fast schon an der Tagesordnung sind - egal ob im Beruf oder im Privaten - ist Empathie wichtig, um uns in den anderen hineinversetzen zu können. Erst dann sind wir in der Lage, Verständnis für die Situation unseres Gegenübers aufzubringen. Das hat zur Folge, dass wir uns anders verhalten, anders kommunizieren und eine kräftezehrende Eskalation vermeiden. Langfristig sorgen wir so für ein friedliches Miteinander…

 

In meiner Zeit als Koch habe ich mir von meinen Vorgesetzten sehnlichst Empathie gewünscht. Die Gastronomie ist im Bereich der Küche übrigens ein absolut hartes Pflaster. Als sensitiver Mensch litt ich damals sehr unter dem rauhen und unsensiblen Umgangston meiner Chefs und den harten Arbeitsbedingungen. (Täglich müssen Hochleistungen erbracht werden bei viel Zeitdruck, Stress, Hitze usw.)

 

Doch es war ihnen egal, wie es mir als Mitarbeiter ging, ich hatte einfach zu funktionieren. Ich ertrug alles bereitwillig und gab trotzdem mein Bestes, aber irgendwann wurde die Situation für mich unerträglich. Erst als ich mir bei einem Sturz einen Bänderriss zuzog, wurde mir durch die Zwangspause klar, dass ich aus diesem Job so schnell wie möglich aussteigen wollte - ja sogar musste! Damit mich nicht früher oder später ein weiterer Unfall in die Knie zwingen konnte, um endlich eine Entscheidung für mein Wohl zu treffen.

 

 

Es muss aber kein Unfall sein, der uns stoppt. Ein Burnout tut es auch!

Laut Schätzungen leiden ein Viertel der Erwerbstätigen in Deutschland daran. Für mich gehört das Ausgebrannt-Sein zu der Gruppe von Krankheitssymptomen, welche sich bei Personen zeigen, die sich nur schwer abgrenzen können und ungebremst empathisch sind.

 

Es trifft überwiegend diejenigen, die mit Menschen zu tun haben und Dienste leisten: Berufstätige im sozialen Bereich, Pflegepersonal, Lehrer, Therapeuten u.v.m.

Sobald auch noch übertriebener Ehrgeiz und Perfektionismus hinzu kommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, irgendwann von diesen Faktoren lahmgelegt zu werden. Außerdem kann man ziemlich sicher sagen: Wo sich ein Burnout zeigt, ist die Depression nicht mehr weit.

 

Falls Du selbst an dieser Art der Kraft- und Antriebslosigkeit leidest oder gelitten hast, dann hast Du Dich bestimmt schon einmal gefragt, was zu diesem Gefühl von "Ich kann nicht mehr! Ich bin ausgebrannt!" geführt hat! Oder?

 

 

Die wichtigsten Hauptursachen habe ich einmal zusammengefasst:

1. Du bist hochsensibel und fühlst Emotionen, die andere Leute gar nicht wahrnehmen.

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen, die Burnout-Tendenzen haben, sehr sensitive Persönlichkeiten sind. Die Gefühle des Umfelds werden von ihnen wie von einem Schwamm regelrecht "aufgesogen".

 

Aber viele bemerken diesen Prozess einfach nicht und kommen erst gar nicht auf die Idee, sich von diesen Gefühlen wieder zu befreien. Das funktioniert erst, sobald man gelernt hat, sich bewusst von anderen abzugrenzen. Bis  es soweit ist, braucht es in vielen Fällen einfach eine  Weile Distanz - ein Mittel zum Selbstschutz.

 

 

2. Du hast Dir unbewusst Gefühle Deiner Mitmenschen zu eigen gemacht und belastest so Dein System.

Die Trauer Deiner Familienmitglieder, das fehlende Vertrauen Deines Partners, die Wut und Aggression Deiner Bekannten, die Ängste Deiner Freunde - was auch immer. Wenn Du nur noch mit dem Schicksal anderer mitleidest, bürdest Du Dir fremde "Päckchen" auf und erhöhst so Deine Ladung. Erinnerst Du Dich, was dieser Begriff bedeutet? Man kann ihn auch Disharmonie nennen. In meinem Artikel "Unfälle sind wie Krankheiten - Teil 2" erkläre ich das genauer.

 

 

3. Deine Lebensenergie ist im Keller.

Das kann viele Gründe haben, beispielsweise: Du hast Dich nicht nur beruflich, sondern auch privat zu sehr verausgabt. Pausen konntest Du Dir bisher keine gönnen. Entspannung ist für Dich eher ein Fremdwort.

Du warst bisher immer für andere da, aber nie in der Lage, Nein zu sagen, wenn es Dir zu viel wurde. Aus Angst, kritisiert oder abgelehnt zu werden, machst Du alles, was man Dir aufträgt - vor allem viele Zusatzarbeiten im Job, die Dich überfordern und die meistens auch gar nicht bezahlt werden. Aber Du willst ja gut dastehen und bei Deinen Vorgesetzten, bei Deiner Familie etc. keinen Anlass zur Kritik liefern...

 

 

4. Du kennst die Bedürfnisse Deines Körpers nicht wirklich.

Wahrscheinlich brauchst Du deshalb diesen Zustand der Antriebslosigkeit, damit Du lernst, sie zu erkennen. Deshalb lohnt es sich zu fragen - schon, bevor es dazu kommt:

"Wie viel Schlaf brauche ich? Wie viele Stunden Arbeitszeit verträgt mein Organismus? Wann brauche ich Pausen, damit es mir gut geht? Welche Essenszeiten sind optimal? Welcher Ausgleich nach der Arbeit fördert mein körperliches Wohlbefinden? Was benötige ich, um Kraft zu tanken?"

 

Leider wurde uns früher nur beigebracht, Leistung zu erbringen. Wir haben es uns einimpfen lassen: "Wenn du fleißig bist, dann bist du gut!" (Wir wurden geschätzt und gelobt.) Sobald wir aber "faul" waren, gab es eine Rüge, und wir wurden mit Liebesentzug gestraft. Solche Erlebnisse hatten eine starke Wirkung und brannten sich fest in unser Unterbewusstsein ein!

 

 

5. Du liebst Dich einfach nicht, Dein Selbstwertgefühl ist niedrig, und deshalb bist Du Dir auch nichts wert.

Du lässt alles mit Dir anstellen. Du hast Dich zum Spielball derjenigen machen lassen, von denen Du denkst, sie wären mächtiger als Du. Dementsprechend ohnmächtig fühlst Du Dich...

 

 

6. Du sehnst Dich insgeheim extrem nach Liebe und Anerkennung

und meinst, durch Aufopferung, Fürsorge bzw. Sich-kümmern um andere werden Dir diese besonderen Qualitäten zuteil. Es kann auch sein, dass Du Dich bisher für absolut unentbehrlich gehalten hast...

 

 

7. Du lässt Dich regelmäßig von Energieräubern anzapfen.

Du erkennst nicht, wenn sich menschliche "Parasiten" Zugang zu Deinem Organismus verschafft haben. Das sind oft negativ gepolte, bedürftige Menschen im dauerhaften Opfermodus. Sie wollen in ihrem Leben nichts ändern. Mit geschickten Strategien kommen sie an Deine Lebensenergie.

Du bist ihr Lieferant, weil Du ihnen durch Dein ungebremstes Einfühlungsvermögen nicht nur einen Teil ihres Leids abnimmst, sondern auch durch Deine Aufmerksamkeit automatisch von Deiner kostbaren Kraft abgibst.

Lies zu diesem Thema meinen Artikel: "Energievampire! Woran Du erkennst, dass Dich jemand angezapft hat"!

 

 

8. Du bist im falschen Beruf. Du quälst Dich durch einen Job, den Deine Seele / Dein Herz nicht ausstehen kann.

Meinen Beobachtungen nach ist dieser letzte Punkt die Ursache Nummer 1. Existenzängste lassen uns annehmen, keine Alternativen zu haben. Angestrengt verharren wir in einem Beruf, der uns jeder Lebensfreude und -energie beraubt.

 

Warum verhalten wir uns so? Vernunftmenschen um uns herum, die nie gelernt haben, auf ihr Herz zu hören, hämmerten uns von Jugend auf ein: "Wähle die Sicherheit! Hauptsache, du verdienst Geld. Du muss dir ja irgendwie deine Brötchen verdienen. Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Du hast dich durchzubeißen..." usw.

 

Wir ließen uns von ihren Ängsten beeinflussen und sind auch noch dumm genug, ihre Argumente ein Leben lang zu glauben - bis wir zusammenbrechen...

 

 

Foto: pixabay.com
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Wie lautet die Lösung?

Achtsamkeit hilft Dir dabei, zu erforschen, was Du brauchst und was nicht. Beobachte Dich in Zukunft genau!

"Wie fühle ich mich? Was tut mir gut, was nicht?"

Hör immer in Dich hinein, was Dein Innerstes wirklich möchte! Kurzmeditationen könnten Dir dabei helfen. Deine Seele meldet es ganz sicher - ihre Stimme ist nur leiser als der laute Verstand.

 

Kümmere Dich nicht mehr so viel um andere, sondern sorge ab jetzt gut für Dich!

 

Falls Du Mama oder Papa bist und denkst: "Das geht nicht!" dann irrst Du Dich. Ich möchte Dich daran erinnern: Nur wenn es Dir gut geht, geht es auch Deinen Kindern gut. (Sie nehmen mit ihren feinen Antennen Deine Überforderung und jede Deiner Stimmungsschwankungen wahr...)

Deine Kleinen sollen auch erleben, dass ihre Mutter / ihr Vater sich Auszeiten nimmt, und wenn es anfangs nur 15 Minuten sind. Bekommen die Kinder z. B. mit: "Ich brauche jetzt eine halbe Stunde nur für mich..." werden sie das verstehen und es später als Erwachsene ebenso handhaben, wie es ihnen von ihren Eltern vorgelebt wurde...

 

Stärke Deine Selbstliebe und Dein Selbstvertrauen: Wenn Du Dich liebst, dann bist Du Dir so viel wert, dass Du Dich rechtzeitig für Dein Wohlbefinden entscheidest. Somit hörst Du auch auf, zu allem Ja zu sagen und beginnst nur noch das zu tun, was sich gut für Dich anfühlt und wozu Du tatsächlich Lust hast.

 

Steige aus: Distanziere Dich von Opfertypen, Energiesaugern und von pessimistischen Leuten, die nur jammern. Deine Energie ist einfach zu kostbar, und das Leben ist einfach zu kurz, um es mit solchen Menschen zu verschwenden.

 

Fühle mit anderen mit, aber mach das Leid anderer nicht zu Deinem Leid! Geteiltes Leid ist eben nicht halbes Leid, wie es sprichwörtlich heißt. Geteiltes Leid ist immer doppeltes Leid!!! Du kannst Deinem Gegenüber sowieso nur helfen, wenn Du Deine neutrale Position bewahrst und nicht mit seinen Dramen mitschwingst / Du nicht mit ihm in Resonanz gehst. Du behältst einen kühleren Kopf, hast einen klareren Blick, weil Du nicht von seinen Dramen "mit gebeutelt" wirst... (Das empfehle ich besonders Neustartern im therapeutischen Bereich.)

 

Kläre Dich nach der Arbeit und befreie dich spätestens vor dem Schlafengehen von fremden Emotionen und Gedanken. Der "innerwise Heilatem" z. B. ist dazu ideal, weil er einfach, kurz und effektiv ist.

 

Finde heraus, welche Menschen, Aktivitäten und Gewohnheiten Deine Lebensenergie senken. Ausgebrannte Menschen haben meinen Erkenntnissen nach meist weniger als 40 % Lebensenergie (70 % braucht es mindestens, um sich einigermaßen gut zu fühlen und seinen Alltag zufriedenstellend zu bewältigen).

 

Überprüfe nach einer Burnout-Diagnose sofort, ob Du überhaupt im richtigen Beruf bist!

 

Der innerwise Armlängentest, von dem ich so begeistert bin, hilft Dir dabei, alle Fragen auszutesten und die Antwort Deines Unterbewusstseins zu finden! Lerne ihn - er ist eine wertvolle Entscheidungshilfe für Deinen Alltag. Wenn Du Deinen Testergebnissen nicht vertraust, lass sie von einem innerwise Coach oder Mentor austesten.

 

 

Empathie ist ein Fluch, solange Du das Maß in Dir nicht steuern kannst und keinen gesunden Abstand mehr zu denjenigen hast, die leiden.

Sie ist ein Segen, wenn Du hinter die Kulissen von Menschen und Situationen schauen möchtest.

 

Sie ist dann von Vorteil, um die Bedürfnisse Deines Umfeldes zu erspüren, um zu Deinem höchsten Wohl und zum höchsten Wohl Deiner Mitmenschen zu entscheiden und zu handeln. (Damit meine ich nicht nur heilende Berufe!)

 

Charaktere mit viel Einfühlungsvermögen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Es sind oft Feingeister mit dem Blick für Ästhetik und Details. Sie sind gefragt, wenn sie ihr Talent im richtigen Bereich einsetzen - dort, wo sie sich und ihre Fähigkeiten zum Wohle des Großen Ganzen optimal entfalten können.

 
Mitgefühl, Freude und Liebe stärken Dich und andere. Diese Qualitäten machen jeden Menschen zu etwas Außergewöhnlichem. Lebst Du sie, hebst Du Dich von der auf Kampf gepolten Masse ab...

 

Ungebremste Empathie führt früher oder später zum Burnout und wenn man nichts dagegen unternimmt, kommen irgendwann Depressionen dazu. Zu diesem Thema gibt es in einigen Wochen mehr.

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Walburga (Montag, 24 April 2017 22:00)

    Hallo Robert
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel!
    Ich konnte einige wertvolle Impulse nutzen.
    Alles Liebe
    Walburga

  • #2

    Tanja Voß (Dienstag, 25 April 2017 20:50)

    Lieber Robert, danke für diesen Blog, er inspiriert mich sehr! Liebe Grüße, Tanja

  • #3

    Seelenforscher.eu (Dienstag, 25 April 2017 21:24)

    Hallo liebe Walburga, hallo liebe Tanja.
    Herzlichen Dank für Eure spontanen Kommentare :)
    Es freut mich, wenn Euch meine Impulse inspirieren. Auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg und nützliche Erkenntnisse bei Eurer innerwise Arbeit! Bis bald.
    Viele Grüße
    Robert :D

  • #4

    Patricia (Montag, 24 Juli 2017 12:13)

    Wieder ein toller Artikel. Ich mag deine Schreibweise, sie ist mir Meiner so nah. �
    Empathie, davon kann ich auch viel berichten und brstätige deine Erläuterungen.
    Meine Empathie liebe ich aber und möchte sie auf keinen Fall missen! Ist sie doch ein wunderbares Geschenk, wenn wir wissen wie damit umzugehen und sie “positiv“ nutzen.