Es gibt etwas Wichtigeres als Geld...

(Foto: pixabay.com - many thanks to "jamoluk"!)
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Ich konnte den kalten Lauf der Waffe deutlich fühlen, der direkt auf meine Schläfe gerichtet war. Es war nachts um halb drei in Hamburg-Wandsbek, auf einem schlecht beleuchteten Areal, neben einem mehrstöckigen Parkhaus.

 

Meine Adern voll mit Adrenalin - starr vor Angst - am liebsten hätte ich flüchten wollen. Ich stand auf einem leeren Platz mit zwei schwarzgekleideten Typen, die ihre Baseballkappen tief ins Gesicht gezogen hatten - kein weiterer Mensch war zu sehen, der mir hätte helfen können.

 

"Wenn ich jetzt in Panik gerate, passiert etwas!" wusste ich instinktiv. Erstaunlich war: Eine merkwürdige Mischung aus extremer Nervosität, aber auch hoher Konzentration sowie gleichzeitig das Bestreben, Ruhe zu bewahren, machten sich in mir breit.

 

Ich hätte nach dem Aussteigen aus dem Nachtbus auf meine Intuition hören und nicht durch die dunkle Passage gehen sollen, dachte ich, als ich mit Unbehagen Schritte hinter mir vernahm. Mein Bauchgefühl meldete:

 

"Am besten läufst du jetzt so schnell wie möglich in Richtung deiner Wohnung!" Doch ich tat es nicht. Ich wagte mich nicht umzudrehen, wollte Gelassenheit demonstrieren und blieb bei meinem Tempo. Gleich darauf beschleunigten sich die Schritte, und eine Stimme rief:

"Halt, bleib stehen!"

 

Zwei Männer hatten mich eingeholt, und schon war die Pistole in Höhe meines Kopfes. "Nicht nach oben sehen!" herrschte mich einer der beiden an.

 

Kennst Du das Klicken, wenn eine Pistole durchgeladen wird? Genau dieses Geräusch kam als Nächstes und lies meinen Puls noch weiter hochschießen. Ich wusste ja nicht, ob sie echt war oder nicht.

 

"EC-Karte her! Und die PIN-Nummer!"

 

Der zweite Mann packte mich am Arm. Bereitwillig suchte ich mein Portemonnaie aus meiner Jacke, ich zitterte.

 

"Da ist kein Guthaben auf meinem Bankkonto", gab ich zu bedenken.

 

"Dann die Kohle her - alles, was du hast!"'
Ich hatte nur noch Kleingeld dabei und zeigte ihnen die leeren Fächer meines Geldbeutels.

 

"Sag uns die PIN!"

 

"Eins-sechs-zwei-null..." Offenbar hatten die Räuber keinen Zweifel, dass ich ihnen die richtige Kombination aufzählte. Meine Hoffnung war nur, dass sie dann schnell von mir abließen.

 

Sofort nachdem einer der Typen meine EC-Karte ergriffen hatte, kam das Kommando: "Los, lauf! Und nicht umdrehen!"

 

Ich rannte wie verrückt und war heilfroh und erleichtert, die Täter sofort in die entgegengesetzte Richtung verschwinden zu sehen (in Richtung Bankfiliale). Das Ganze spielte sich ca. 100 m vor meiner Haustür ab. In meiner Wohnung angelangt, rief ich die Polizei an...
 

Abenddämmerung in St. Pauli - über 2 Jahre lebte ich in dieser tollen Stadt...
Abenddämmerung in St. Pauli - über 2 Jahre lebte ich in dieser tollen Stadt...

Ein erschütterndes Erlebnis

Das war bereits 1996, als ich noch in Hamburg wohnte - ein Erlebnis, das mich erschütterte. Knapp eine Woche lang konnte ich nicht mein Apartment verlassen. Zuerst dachte ich voller Verzweiflung:

 

"Warum ich? Warum passiert mir das?"

 

In mir war Fassungslosigkeit, Traurigkeit und Wut zugleich - auf die Täter, auf mich. Ich fühlte mich ganz klar als Opfer.

 

"Ich bin doch so ein lieber Mensch und verabscheue Gewalt. Ich tue niemandem etwas zuleide, ich bin friedlich! Warum ziehe ich so etwas an?" Damals kannte ich schon die Theorie der Resonanzgesetze, z. B. "wie innen so außen / das Außen spiegelt dir dein Inneres wieder".

 

Es war für mich unklar: "War da in meinem Innersten so viel Gewalt, dass mir das jemand auf diese Art vor Augen führen musste?"

 

Wochenlang rätselte ich, was mir dieser Vorfall wohl zeigen sollte. Verbargen sich unbewusste Ängste in mir? Hatte ich diese Situation „provoziert“, weil ich mich vor Überfällen fürchtete? Nach dem Motto: Du ziehst durch deine Gedanken genau das an, wovor du Angst hast? Die Zeitungen und anderen Medien waren ja voll davon: Kriminalität, Raub, Mord in Großstädten...

 

Das Thema Angst war zwar präsent, aber ich hatte nie wirklich Panik vor Überfällen gehabt oder mich unsicher gefühlt.

 

Aus verschiedenen Büchern kannte ich die These: "Menschen, die beraubt wurden, denen Geld oder andere Wertsachen gestohlen wurden, sind in einem anderen Bereich selbst Räuber - meist im energetischen Sinne." Das kann Energiediebstahl sein, aber auch Diebstahl materieller Art: Sie verschaffen sich in unrechtem Maße Besitztum oder Finanzielles.

 

Ich war jedoch sicher, dass ich weder anderen Energie geraubt hatte (was ja viele Menschen gerne praktizieren), geschweige denn mir je Geld auf illegale Weise beschafft hatte...

 

 

Erst nach einigen Wochen kam die "Erleuchtung":

Damals besuchte ich die Hamburger Hotelfachschule, um Betriebswirt zu werden, und saß somit wieder auf der Schulbank (Vollzeitunterricht). Mit meinen gelegentlichen Kellnerjobs hatte ich deutlich geringere Einnahmen als zu meiner Zeit als Angestellter. Mich aufgrund des Studiums wieder einzuschränken bereitete mir Probleme.

 

Ich war sehr unzufrieden damit, dass ich mir so wenig leisten konnte. Meine Eltern sponserten mir zwar einiges, aber es reichte nicht aus.

 

In meinem Kopf drehte sich alles ums Geld. Ich wollte unbedingt mehr haben, arbeiten konnte ich jedoch nur am Wochenende. Nach dem Unterricht bis in die Nacht hinein zu jobben war nicht möglich - ich hätte das Lernpensum nie geschafft.

 

Geld, Geld, Geld - ich fand es maßlos wichtig, eben weil es nicht da war. Der Ärger darüber und meine Unzufriedenheit ließen meine Disharmonie ansteigen, was ich jedoch nicht wirklich bemerkte.

 

Die Waffe, die auf mich gerichtet wurde, zeigte mir die gewaltige Ladung, die sich aufgrund meiner Einstellung aufgebaut hatte. Und mir wurde klar: Die Täter spiegelten meinen aggressiven gedanklichen Wunsch wider, zu mehr Geld zu kommen. Sie versuchten es bei mir mit Gewalt und bekamen am Ende doch nichts.

 

(Die Polizei teilte mir einige Tage später mit, dass drei Mal versucht worden war, Geld von meinem Konto abzuheben, bis die Karte vom Automaten einbehalten wurde. Die Täter waren wohl doch keine Profis und ebenso nervös wie ich. In dieser Nacht vertippten sie sich jedenfalls - ich hatte ihnen die korrekte PIN genannt.)

 

Die Täter schafften es nicht, die richtige PIN einzugeben...
Die Täter schafften es nicht, die richtige PIN einzugeben...

Wie blöd kann man sein?

"Robert, was bist du nur für ein Idiot, dem Finanziellen einen so hohen Stellenwert einzuräumen - eine solche Übermacht! Dabei gibt es etwas Wichtigeres als Geld: dein Leben!"

 

Dein Leben ist die Chance, dich zu entwickeln, auf dieser Welt Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Auch wenn du kein oder nur wenig Geld hast, darfst du die Welt erfahren und dich selbst.

 

Ja, es gibt Zeiten, in denen du lernen musst, dich einzuschränken. Gib dich mit dem zufrieden, was du im Moment hast (auch wenn es nur das Nötigste ist und dir kein Spielraum für mehr zur Verfügung steht)

 

Am besten ist ein gesundes Leben ohne Verletzungen. Um dies zu erkennen, müssen manche Menschen bestimmte Erfahrungen machen. Das muss kein Überfall sein. Oft ist es eher eine Erkrankung, die sich der menschliche Geist indirekt aussucht, um wieder "auf seinen Weg" zu kommen.

 

Bei mir war es die Wertschätzung des Lebens, die mir fehlte, und Demut! Mein Erlebnis ließ mich wieder demütig werden und nicht mehr so versessen aufs Materielle sein.

 

Sei dankbar, dass du lebst und unversehrt bist! Dein Leben ist wertvoll und viel wichtiger als Geld...

 

Diese Erkenntnis war im Nachhinein sehr einleuchtend. Aus dem drastischen Vorfall hatte ich wirklich gelernt, ich überwand mein Opferdasein und war heilfroh, dass nichts Schlimmeres passiert war. Sicher hatte ich einen Schutzengel oder mehrere.

 

Das Einzige, was noch viele Monate nach dem Überfall nicht gelang, war: Kein Herzklopfen und keine Schweißausbrüche mehr zu bekommen, wenn ich nachts aus der S-Bahn stieg und Schritte hinter mir zu hören waren... Doch auch das legte sich mit der Zeit und schloss meinen Heilungs- und Erkenntnisprozess ab.

 

Bist Du ebenfalls unzufrieden mit Deiner finanziellen Situation (gewesen)? Dann überlege gleich jetzt, wofür Du dem Leben Danke sagen kannst, so dass Du in Demut alles annehmen kannst, was sich zeigt...

 

 

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