Lass es raus!

Foto: © http://nebel-eich.wix.com/artistpainter  (many thanks to Nebel Eich)
Foto: © http://nebel-eich.wix.com/artistpainter (many thanks to Nebel Eich)

 

Merkst Du, wie sich ständig das Gedankenkarussell in Dir dreht? Deine Gedanken erzeugen Emotionen und umgekehrt. Durch die Geschäftigkeit und die alltäglichen Ereignisse sammelt sich viel in Deinem System an und beginnt nach und nach zu rumoren. Die Erziehung, das Schulsystem und Dein Umfeld verlangen von Dir Umgänglichkeit, Ordnung, Höflichkeit u.v.m. Am liebsten sollst Du permanent freundlich, gelassen, nett, anständig, brav und harmonisch sein.

 

Bringt Dich etwas aus der Fassung, wird erwartet, dass Du Dich möglichst schnell wieder beherrscht und zusammenreißt. Wehe, Du fällst z. B. im Berufsleben einmal aus der Rolle! Viele Menschen um uns herum vermitteln indirekt: "Halte dich zurück! Sprich lieber nicht über deine Gefühle, zeig deine Tränen nicht, sonst wirst du angreifbar!"

 

Diejenigen, die diese Haltung an den Tag legen, sind Opfer von Opfern. Menschen, die aufgrund ihrer negativen Erfahrungen mit verschlossenen Herzen und dicken Schutzpanzern herumlaufen...

 

"Sei stark, bleib cool, lass dir nichts anmerken - lächle. Sei lieber still, sag besser nichts - der Harmonie wegen!"

 

Schon früh als Kinder ernteten wir Ablehnung, wenn wir wilde, trotzige, unschöne und weinerliche Seiten zeigten. "Du brauchst keine Angst zu haben!" wurde uns versichert. Doch dieser gut gemeinte Satz löste die Angst nicht auf.

 

Waren wir böse, wurden wir schnell mit anderen verglichen und bekamen Hinweise, was wir ändern und wie wir sein sollten (wie die Nachbarskinder, wie Deine Schwester oder Dein Bruder...) Sehr schnell lernten wir durch Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen, unliebsame Gefühlszustände zu unterdrücken. Sie selbst (unsere Eltern usw.) hatten es seinerzeit auch nicht anders vermittelt bekommen.

 

 

Funktionieren, wie es die anderen erwarten?

Was sind wir heute? Ob jung oder alt - wir sind Meister im Verbergen dessen, was sich tatsächlich in unserem Inneren abspielt. Disharmonische Tendenzen sind uns nicht einmal wirklich bewusst. Viele sind "Schauspieler" geworden, die nach außen den schönen Schein wahren. Warum? Aus Angst, von anderen nicht anerkannt und akzeptiert zu werden.

 

Vielleicht kennst Du bereits folgende Situation: Du hast den inneren Druck einfach nicht mehr ausgehalten. Jahrelang warst Du perfekt angepasst, hast funktioniert und Dich - wie erwartet - „vorbildlich“ verhalten. Doch irgendwann ereignete sich "zufällig" ein Unfall, z. B. ein Knochenbruch. Oder es waren Magengeschwüre oder Rückenschmerzen, die Dich auf Deinem bisherigen Weg stoppten und zur Pause zwangen.

 

Es kann auch sein, dass Du wegen Kleinigkeiten ausgeflippt bist (meistens zu Hause) oder Dich Ungerechtigkeiten in der Firma zum Ausrasten brachten. "Wegen zu großem inneren Stress zusammengebrochen bin ich noch nie", denkst Du eventuell?

 

Je älter Du wirst, desto weniger kann Dein System Psychostress abpuffern - irgendwann grüßt der Herzinfarkt (hoffentlich nicht) oder etwas anderes. So schlimm muss es nicht kommen. Die meisten bekommen eher Burnout-Erscheinungen, Depressionen und werden krankgeschrieben. Danach sind meist alle überrascht, geschockt und verwundert . "Man hat es ihr/ihm nicht angesehen", heißt es dann womöglich...

 

 

Die ständige Selbstkontrolle raubt Deine Authentizität

Lass es nicht so weit kommen, bis das Ungleichgewicht zwischen Deinem Inneren und Äußeren zu groß wird. Verhindere den Burnout / den Kollaps, auf den jeder "wohlerzogene" Mensch früher oder später zusteuert!

 

Natürlich geht es darum, auf Dauer eine Arbeit zu haben, die zu den inneren Bedürfnissen passt. Permanente Überstunden und Schuften bis zum Umfallen des Geldes wegen sind langfristig sinnlos. Ich finde es wichtig, auch auf folgende Aspekte zu achten:

 

Lass es raus!

 

Was in Dir rumort und schon lange gesagt werden will

 

Sprich darüber, wenn Du verärgert bist

 

Sei ehrlich und vermittle anderen Deine Wahrheit, kommuniziere Deine Wünsche und Träume

 

Erzähle, wenn Dich etwas traurig gemacht hat, erlaube Dir zu weinen, wenn Dir danach ist, weil Du erst dann authentisch bist und andere damit berühren kannst

 

Halte nichts mehr zurück, weder Deine Überzeugungen, noch Deine Meinung, Erkenntnisse, Gedanken oder Emotionen, denn sonst gärt alles
im Inneren, verursacht Spannung, Stress, und am Ende manifestieren sich Krankheitssymptome

 

 

Entledige Dich von allem so, dass Du anderen nicht damit schadest.

Wenn Du Deine gewohnte Selbstkontrolle aufgibst, kommt es natürlich auf den richtigen Zeitpunkt und das Wie an! Wie äußert man etwas, so dass es Mitmenschen aufnehmen können? Entledige Dich von allem so, dass Du anderen nicht damit schadest.

 

Beleidige niemanden, sei kein Energieräuber und bezichtige niemanden der Schuld an Deinem Leid. Stelle Dich nicht als Opfer dar.

 

Vor allem, mache es nicht genauso wie Deine Eltern früher: Kritisiere den anderen nicht, das führt zu Kämpfen, die nichts bringen.

 

Falls es Wut oder Ärger sind, die Du in Dir trägst, baue sie auf gesunde Weise ab, indem Du Ausgleich im Sport, in der Natur, Meditation und anderen Aktivitäten suchst. Finde Deinen optimalen Weg der seelisch-geistigen Hygiene - es gibt ihn!

 

So sorgst Du für Selbstregulation und Wohlbefinden, setzt Heilungsprozesse in Gang und gehst entspannter, gelöster und befreiter durchs Leben...

 

 

Foto: © Nebel Eich

Die italienische Künstlerin inspirierte mich mit ihrem Werk. In Berlin-Prenzlauer Berg entdeckte ich an einer Hauswand ihre Kreation und hatte spontan die Überschrift für diesen Artikel im Kopf. Die Künstlerin sucht nach weiteren Möglichkeiten, Berliner Hausfassaden zu gestalten. Wer etwas weiß, einfach eine Nachricht an mich senden :)

 

 

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