14 Ideen, um Deinen Fleischkonsum zu senken

Foto: ©iStock.com/g-stockstudio/ID 59014938
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Konsequent auf Fleisch zu verzichten ist für viele Menschen gar nicht so leicht. Auch wenn es einem sinnvoll und ethisch erscheint, die Gelüste bleiben - zumindest in der Übergangsphase. Nicht jeder will mit einem Schlag Vegetarier oder Veganer werden.

 

Vielleicht hast Du schon öfter mit dem Gedanken gespielt, Deinen Fleischkonsum zu reduzieren, bist aber aufgrund verschiedenster Verführungen (im Restaurant, bei Feierlichkeiten, bei Angeboten im Discounter gescheitert?

 

Übrigens ist meine Feststellung: Es tut sich etwas. Im Gegensatz zu früher machen sich immer mehr Ernährungsbewusste Gedanken über den Konsum von tierischen Produkten. Schockierende Berichte über konventionelle Massentierhaltung, Lebensmittelskandale, Berichte über typische Zivilisationskrankheiten durch zu viel Konsum von nicht pflanzlichen Eiweißen und Fetten sowie das steigende Mitgefühl für die Tiere lassen einen nachdenklich werden.

 

Es ist keine große Kunst, ein leckeres Fleischgericht zu zaubern!

Das kann ich als gelernter Koch sagen. Die wirkliche Herausforderung ist, verschiedene Gemüse so auszuwählen und zuzubereiten, dass auch Familienmitglieder / Partner / Fleischliebhaber begeistert sind und nicht gleich die Nase rümpfen!

 

Beim Thema Veränderungen bin ich in der Regel kein Fan von radikalen Maßnahmen, deshalb empfehle ich eine moderate Reduktion, damit es nach und nach immer besser gelingt. Hier meine Vorschläge, die es Dir erleichtern, weniger Tierisches zu Dir zu nehmen und eventuell später ganz darauf zu verzichten:

 

1. Überlege Dir, auf welche Fleischsorte(n) Du locker verzichten kannst.

Das ist schon einmal ein Anfang, dass Du z. B. Schwein oder Pute weglässt. Wichtig ist nur, den Verzicht nicht mit anderen Tierprodukten wie z. B. massenhaft Ei und Kuhmilchkäse zu kompensieren, sondern attraktive Gemüsegerichte zu finden.

 

2. Gute Alternativen sind gebratene Pilze.

Fleischscheiben bestehen aus Muskelfasern, nach dem Erhitzen ergeben sie aufgrund ihres Eiweißgehalts einen gewissen Widerstand beim Kauen - anders als die Struktur von Gemüse. Austernpilze, Champignons und Kräutersaitlinge zum Beispiel haben eine ähnliche Konsistenz und liefern ein Gefühl im Mund, welches dem Fleisch nahe kommt. Sind Pilze dazu noch gut gewürzt, z. B. mit Knoblauch, einem Spritzer Balsamico-Essig oder Zitronensaft, mit Kräutern oder einem selbstgemachten Gewürzsalz, dann kann das ein befriedigender Ersatz sein.
 

(Foto: pixabay.com - many thanks to PIX1861)
(Foto: pixabay.com - many thanks to PIX1861)

3. Ersetze eine Fleischportion pro Woche mit Fisch,

am besten mit regional gezüchtetem wie Lachs, Forelle, Zander, der in den Aufzuchtstationen nicht mit fragwürdigem "Super-Futter" und Medikamenten "gemästet" wird... So vermeiden wir durch unseren Konsum eine Überfischung der Weltmeere.

 

4. Verwende Schweinespeck statt ganze Fleischstücke

Koche Gerichte mit viel Gemüse und z. B. Reis, Kartoffeln, Bulgur, Hirse, Polenta, Quinoa, Nudeln usw. Statt der üblichen Portion, schätzungsweise ca. 200 g Fleisch, nimmst Du max. 50 g magere Speckwürfel pro Person. Der Fleischesser "verschmerzt" es leichter, wenn er anfangs den vertrauten Geschmack bekommt. Den Speck anbraten und der Mischung beigeben.

 

Manchmal, wenn ich Lust auf Fleisch habe, reicht mir diese Menge völlig, auch geschmacklich. Es ist schon ein Erfolg, wenn Du statt 800 g Fleisch (für 4 Personen) nur noch insgesamt 200 g Speckwürfel verwendest - das sind 75 % weniger! Probiere es einfach einmal aus!

 

Im Naturkostladen gibt es Schinken ohne Konservierungsstoffe & ohne Nitritpökelsalz
Im Naturkostladen gibt es Schinken ohne Konservierungsstoffe & ohne Nitritpökelsalz

 

 

Es gibt übrigens eine vegane Variante zu gebratenen Speckwürfeln: Wenn Du Lust auf etwas Deftiges hast, schneide Tofu oder Seitan in kleine Würfel. Würze sie mit Räuchersalz und etwas Pfeffer - brate sie in Öl leicht kross an. (Sie dürfen nicht zu hart und trocken werden.) Dann nehme nur ein paar Spritzer Sojasoße oder Tamarisoße (nicht zu viel, sonst wird es zu salzig), und lösche die Würfel ab. Schwenke alles, bis die Flüssigkeit verdampft ist.

Nun hast Du vegetarische Speckwürfel, und ich behaupte, wenn Du diese beispielsweise in eine Kartoffelsuppe gibst und es vorher niemanden sagst, dass es kein echter Speck ist, wird es niemand bemerken. Der Rauchgeschmack des Spezialsalzes hat seine Mission erfüllt ;)

5. Hülsenfrüchte sind optimal, um sich satt zu fühlen.

Bekannt ist, sie sind sehr eiweißreich. Menschen, die ihre tägliche Eiweißration gewöhnt sind, vermissen etwas, wenn diese bei Gemüsegerichten auf einmal wegfällt. Bohnen, Erbsen und Linsen geben einem wie bei Fleisch das Gefühl von Sättigung. Manchen Leuten ist das jedoch zu viel, oder sie fühlen sich danach übervoll. Ich persönlich mag dieses Gefühl (ich bin jemand, der viel Erdung braucht.)

 

Hülsenfrüchte sind für mich ein besserer Ersatz als Tofu: Kidneybohnen-Burger, die gut abgeschmeckt sind, mit einem würzigen Dipp können echt mit Burgern aus Rindfleisch mithalten! Im Übrigen teste ich bei Ernährungsberatungen in meiner Praxis oft aus, dass Sojaprodukte für die meisten unverträglich sind - erstaunlich, oder? Wahrscheinlich, weil Sojabohnen ursprünglich aus anderen Breitengraden kommen, sind sie nicht optimal für uns...

 

Um Zeit und Aufwand zu sparen, kaufe ich mir fertig gekochte Hülsenfrüchte
Um Zeit und Aufwand zu sparen, kaufe ich mir fertig gekochte Hülsenfrüchte

6. Gib Fleischliebhabern zu Beginn etwas Vertrautes!

Steakesser wirst Du in der Übergangsphase nicht mit einem faden Tofuschnitzel glücklich machen. Wenn Du kein Fan von Fleischersatz wie z. B. Sojagranulat oder Seitangeschnetzeltes (bestehend aus Weizeneiweiß) bist, dann fabriziere einen Eintopf aus Rindfleisch mit Knochen. Der Knochen ist wichtig für eine gute Rinderbrühe, und das daran hängende Fleisch schneide ich nach dem Kochen in kleine Streifen, Würfel oder Scheibchen. Der Fleischesser hat den typischen Geschmack im Essen und ist glücklich, weil er nicht nur Gemüse in der Suppe findet, zwar nicht so viel am Stück wie bei einem Steak, aber immerhin.

 

Verwende das Lieblingsgemüse sowie Kartoffeln oder Reis etc. - außerdem sind Eintöpfe ideal, weil man gleich für zwei Tage vorkochen kann. Berechne auch hier das Verhältnis der Ersparnis, um Dir bewusst zu machen, wie viel weniger Fleisch Du im Vergleich zu einem Steak verwendest...

 

Es geht dann ohne Fleisch, wenn man Gemüsesorten kombiniert, die der Bekochte so gerne hat, dass ihm Tierisches nicht fehlt. Bei mir ist das z. B. bei grünem Spargel so, bei Kartoffeln mit Schafsquark, Rote Bete oder bei Blumenkohl ebenfalls...

 

Meine Erfahrung ist: Vegetarische Variationen funktionieren relativ gut, wenn Du viel gebratene oder geschmorte Zwiebeln verwendest. Versuche es doch einmal mit einem vegetarischen Gulasch aus Tofu oder Seitan.

Mariniere das Pflanzeneiweiß in einem aufgekochten Sud aus Wasser, Rotwein, Sojasoße, 3 Loorbeerblättern, Pfeffer, Knoblauch, Muskat, 1 daumengroßes Stück geriebenen Ingwer, 2 Prisen Curry (mind. 2 Stunden ziehen lassen). Danach brätst Du die abgetropften Würfel in Öl an.

Für die Soße verwende wie bei einem Fleischgulasch viel Zwiebelwürfel, die hellbraun geröstet werden, Paprika, etwas Tomatenmark usw. Statt Fleischbrühe nimmst Du einfach Gemüsebrühe.

 

Einfach ausprobieren und experimentieren ist die Devise :)

 

 

7. Versuche aus bekannten Lieblingsgerichten eine Variante ohne Fleisch auf den Tisch zu bringen

Am einfachsten ist das bei "Spaghetti Bolognese". Mittlerweile gibt es genügend Hackfleischähnliches aus Soja- oder Seitangranulat, welches eingeweicht werden muss. Die vertraute Konsistenz darf nachgeahmt werden - bei zerdrücktem Tofu ist diese nicht vorhanden. Das Geheimnis ist aber die leckere Soße! Arbeite hier mit Knoblauch und frischen Kräutern und würze gut. Ich gebe gerne ganz klein geschnittene Karotten- und Selleriewürfel sowie Sojasoße und manchmal einen Schuss Rotwein mit dazu - das ist eine gute geschmackliche Ergänzung.

 

Denke daran: Der Kopf spielt eine große Rolle! Wenn Du Deinen Liebsten sagst: "Ich habe ´mal die Bolognese mit Sojagranulat gemacht, das ist gesünder..." dann wird jeder skeptisch werden. Setze Deinen Leuten ohne Infos vorab Deine Kreation vor. Die Wahrscheinlichkeit, keine Vorurteile zu ernten, ist höher. Sie werden sicher bemerken, dass etwas anders ist, aber sie werden es von vornherein nicht gleich ablehnen...

 

Generell ist es besser, auf Produkte, die Fleisch nachahmen wollen, zu verzichten. Es gibt sogar vegane "Hühnchenschenkel" oder "Lachssteaks" zu kaufen. Das finde ich ganz schön abstrus! Schon allein beim Lesen der Zutatenliste werde ich skeptisch.

 

Überzeugte Fleischesser lächeln nur müde, weil sie ständig vergleichen. Außerdem sind im Wurstersatz viele in meinen Augen bedenkliche Zusatzstoffe! Der Mix verschiedenster Eiweißquellen: Oft ist es Eiweiß von Weizen, welches Gluten enthält und problematisch für Allergiker ist. Häufig mit Soja, Hühnerei gemischt und mit unterschiedlichen Fetten versetzt - ob das gesund ist, ist wirklich die Frage!

 

 

8. Arbeite mit vielen Kräutern,

die im Mund einen Geschmacksflash ergeben. Wenn Du schon Fleisch reduzierst und z. B. einen Fleischesser überzeugen willst, dann würze das Essen gut, und zwar schon beim Dünsten oder Anbraten. Nicht erst - wie oft empfohlen - am Ende des Garvorgangs, um Vitamine zu schonen.

 

Denn sonst hat man beim ersten Bissen anfangs den Geschmack, und je mehr man kaut, desto langweiliger und fader wird das Gemüse, weil z. B. das Salz nicht bis ins Innerste gedrungen ist. So ein Erlebnis wird als "Gemüse ist langweilig" abgespeichert. Klar, dass man daraufhin Fleischmahlzeiten den Vorzug gibt...

 

(Foto: pixabay.com/maxmann)
(Foto: pixabay.com/maxmann)

9. Spare nicht mit Fett, wenn Du jemanden für die vegetarische Küche begeistern willst!

Man braucht für das Fleisch eine Ersatzkomponente, die dem Esser Befriedigung verschafft - Fett ist ein Geschmacksträger und macht satt. Schon seit einiger Zeit haben sich Ernährungsexperten von dem Wahn, Fette zu meiden (um schlank zu bleiben), verabschiedet. Pflanzliche Lebensmittel enthalten viele wichtige ungesättigte Fettsäuren. Fettarme Ernährung ist außerdem für die Geschmacksknospen eher langweilig.

 

Du musst übrigens nicht völlig auf tierische Fette verzichten. Butter ist für die meisten Menschen gut verträglich (interessanterweise gilt das sogar für viele Milchallergiker). Auch in der ayurvedischen Küche sowie in der 5-Elemente-Ernährung (nach der Traditionellen Chinesischen Medizin) wird das Fett aus der Kuhmilch für den Körper als wertvoll eingestuft.

 

Der Buttergeschmack beim Gemüse ist wie Käse auch eine Art "Brücke", die es Fleischliebhabern leichter macht, Vegetarisches zu akzeptieren...

 

10. Setze exotische Gewürze ein!

Ingwer, Curry, Kardamom, Kreuzkümmel u.v.m. - deren Geschmacksvielfalt bringt den Kick und macht eine Speise attraktiv...

 

(Foto: pixabay.com/Peggy_Marco)
(Foto: pixabay.com/Peggy_Marco)

11. Gib geröstete Nüsse oder Saaten (wie Sesam, Sonnenblumen-, Kürbiskerne) in Deine Gerichte,

oder arbeite mit diversen Nussmusen in Soßen (z. B. Mandel,- Cashew-, Erdnuss-Mus), das ist auch eine gute Alternative zu Milchprodukten wie Sahne. Zu gebratenem Gemüse gereicht, ist das oft befriedigender als Karotten, Broccoli & Co, welches nur mit Olivenöl serviert wird...

 

Nüsse und Saaten enthalten außerdem gesunde ungesättigte Fette, Mineralstoffe und Eiweiße, die nicht wie Tierisches langfristig und im Übermaß zu Gicht, Bluthochdruck, Übersäuerung, Diabetes oder Entzündungen im Körper führen.

 

Wie schon bei Pilzen erwähnt: Willst Du Fleischliebhaber entwöhnen, biete ihnen eine Alternative, die ein spannendes Mundgefühl hervorrufen! Das Knackige der gerösteten Nüsse erzeugt beim Essen einen Überraschungseffekt, genauso ist das mit kross gerösteten Brotscheibchen, wie z. B. Bruschetta (eine italienische Spezialität mit Tomaten, Knoblauch und Olivenöl) oder andere knusprige Speisen, z. B. frittiertes Gemüse im Tempurateig...

 

Als Koch weiß ich: Nichts ist schlimmer, als wenn ein Gemüsegericht eintönig ist (z. B. nur breiig) und keine Abwechslung durch unterschiedliche Konsistenzen geschaffen wurde, und natürlich geht es zusätzlich um die harmonische Kombination von Schärfe, Süße, Säure, Würzigkeit usw.

 

Auch bei Kaltem: Ein simpler Toast wird mit Avocado und geröstetem Sesam interessant!
Auch bei Kaltem: Ein simpler Toast wird mit Avocado und geröstetem Sesam interessant!

12. Sojasoße oder Miso-Paste sind ein idealer Ersatz, falls jemand keine Fleischbrühe verwenden möchte.

Miso ist die Bezeichnung für eine fermentierte Sojapaste, die ungeheuer würzig ist. Dies in fleischlosen Soßen zugegeben und zusätzlich Champignons oder Shiitake-Pilze machen sich ganz gut, höchstens eine Hand voll, man muss es nicht unbedingt herausschmecken. Mein Geheimtipp sind übrigens auch Lorbeerblätter. 1-2 Stück in verschiedenen Soßen oder Brühen mitgekocht, in Kombination mit einem Gemüsebrühwürfel ergibt das einen super Geschmack! (Übrigens: Es gibt weizenfreie Sojasoßen, z. B. "Tamari")

 

13. Halte Dich an die "asiatische Einteilung"

Bei asiatischen Wokgerichten gibt es die Regel: 2 Teile Gemüse, 2 Teile Reis (oder Ähnliches) und maximal 1 Teil Fleisch. Bei einer Portion mit einem Gesamtgewicht von z. B. 500 g, sind es maximal 100 g Fleisch, das enthalten sein darf. Hauptsache weg von den monströsen Mengen pro Tag, an die heute viele gewöhnt sind...

 

Um sich bewusst zu machen, wie viel Kilogramm Fleisch man pro Woche verdrückt, empfehle ich Buch darüber zu führen. Dazu gehören auch Wurstwaren! Ich denke, manche werden erschrecken, wenn sie sich die Summe der Produkte vergegenwärtigen...)

14. Dann gibt es noch die Hardcore-Methode,

sicherlich schockierend, aber durchaus effektiv: Gehe in Schlachthäuser oder zu Bauernhöfen, wo Du bei einer Schlachtung zusehen und zuhören kannst, oder schlachte selbst. Blicke davor den Tieren in die Augen, und Du wirst merken, dass es fühlende Wesen mit einer Seele sind.

 

Oder schaue Dir Videos im Netz an, um zu sehen, was in gängigen Mastbetrieben täglich geschieht. Viele möchten am liebsten wegsehen - die blutige Realität wird von den meisten verdrängt. Deshalb finde ich es lachhaft, wenn Fleischproduzenten von "Tierernte" sprechen, anstatt von "Tiertötung", nur um Tatsachen nicht ins Bewusstsein der Konsumenten zu bringen. Das Gleiche ist es, wenn in der Werbung nur idyllische Höfe gezeigt werden, auf dem sich "glückliche" Tiere befinden...

 

Es ist auch irgendwie paradox: Wir setzen uns für Tierschutz ein, sind total entrüstet, wenn jemand Hunde, Katzen und Pferde quält oder tötet, doch zu der Lebewesen verachtenden Massentierhaltung (die extrem günstiges Fleisch liefert) wird indirekt täglich Ja gesagt. Das geht nur, wenn man diese Tatsachen ausblendet.

(Ein interessantes Video zu diesem Thema - von Dr. Melanie Joy)

Meine abschließenden Tipps für Menschen, die vom Vegetarismus überzeugt sind:

Als 19-Jähriger wollte ich alle bekehren und ließ mich auf Gefechte mit Andersdenkenden ein, das kostete nur Energie und brachte nichts als Kampf (der Ideologien). Wer nicht weniger Fleisch essen möchte, wird immer Argumente finden, die seinen Konsum rechtfertigen. Diese habe ich besonders häufig gehört:

 

"Der Mensch ist doch ein Allesfresser und kein reiner Pflanzenesser..."

 

"Ich brauche Fleisch für meine Muskeln..."

 

"Irgendwer muss ja die vielen Tiere verkonsumieren..."

 

"Es ist ungesund, auf tierisches Eiweiß zu verzichten..."

 

"Die Menschen haben ja schon früher nur Fleisch gegessen..."

 

"Jeder braucht Fleisch! Es gibt Vitamine, die nur dort enthalten sind, die der Körper braucht..."

 

"Die Pflanze schneidest und verletzt du ja auch, das ist doch ebenfalls eine Form der Aggressivität..."

 

 

Willst Du, dass Dein Umfeld mehr Gemüse isst, dann inspiriere Deine Mitmenschen nur!

Verzichte auf Ermahnungen oder missionarische Bekehrungen. Lebe ihnen das vor, was Dir wichtig ist (z. B. bei Festlichkeiten gibt es in Deinem Haus nur Vegetarisches, denn Fleisch können sie an allen anderen Tagen in der Woche zuhauf essen. Bist Du irgendwo eingeladen und sollst etwas mitbringen, dann nimm etwas von Deinen leckeren Gemüse-Kreationen mit...)

 

Produziere niemandem ein schlechtes Gewissen! Das führt selten zu Erfolgen. Leider ist es eine menschliche Eigenheit, zu verurteilen, andere anzuklagen in der Hoffnung, dass sie ihr Verhalten ändern. Damit trennst Du Dich von Deinen Mitmenschen...

 

Willst Du als unsympathischer Nörgler in Erinnerung bleiben, mit dem niemand mehr etwas zu tun haben will? Oder doch lieber als jemand, der mit seiner Kreativität Anregungen liefert, die andere neugierig machen?

 

Vielleicht gehörst Du zu den kämpferischen / fanatischen Verfechtern von Vegetarismus oder Veganismus? Dann frage ich Dich: Wer ist besser? Ein Mensch, den Du als "aggressiven" Fleischesser bezeichnest, der durch sein Konsumverhalten indirekt Tiere tötet? Oder ein aggressiv agierender Vegetarier/Veganer, der versucht, alle zu bekehren, und zusätzlich jeden verurteilt und ablehnt, der (gedankenlos) Fleisch isst, und ihn somit in eine Schublade steckt?

 

Wohlwollend zu inspirieren ist besser...   (Foto: © istockphoto.com/NL-shop_7554403)
Wohlwollend zu inspirieren ist besser... (Foto: © istockphoto.com/NL-shop_7554403)

Falls Du jemand bist, der zwar vor hat, weniger Fleisch zu essen, es aber nicht oder nur bedingt schafft,

dann habe ich noch eine Anregung (ebenso für diejenigen, die hin und wieder ein schlechtes Gewissen haben und Mitleid mit Tieren empfinden):

 

Du weißt vielleicht bereits: Alles, was Du Dir mit schlechtem Gewissen einverleibst, ist Stress für Deinen Organismus. Wenn Du schon auf Fleisch nicht durchgehend verzichten kannst, dann mache es so wie ich:

 

Bedanke Dich vor dem Essen bei den Tieren, die für Dich gestorben sind. Sag: "Danke, dass ich mich von euch ernähren darf! Danke, dass ihr für mich gestorben seid!"

 

Schätze es wert und mach Dir bewusst, dass Rinder, Schweine, Hühner, Schafe, Fische etc. für Dich ihr Leben lassen mussten. Heutzutage wird das völlig ausgeblendet, der Respekt fehlt. Meiner Meinung nach sollten auch Kinder so früh wie möglich erfahren, dass Tiere nicht einfach einschlafen, damit z. B. Wurst produziert werden kann...

 

Auch wenn sie sich nicht freiwillig hingegeben haben, ich glaube, Dein Dank und Deine Wertschätzung, die Du ihnen vor der Mahlzeit entgegenbringst, erreichen ihre Seelen. Wer weiß, möglicherweise "denken" sie: "Dann hat unser Leben doch noch einen Sinn gehabt, und wir haben den Menschen geholfen, sich weiterzuentwickeln, weil es für sie durch uns genug zu essen gab..."

 

Sehr oft höre ich von Leuten, die ihre Ernährung umstellten, dass die Lust auf Fleisch mit der Zeit weniger wird. Nach einer Weile will man Tierprodukte immer seltener...

 

Alle meine Bekannten, die ihren Konsum reduziert haben, berichten davon, dass sie nach konsequenter Umstellung immer weniger Appetit auf Fleisch haben. Anfangs hat man nicht wirklich Lust auf "gesund", aber mit der Zeit verändert es sich. Das kann Dir auch passieren, und nach einem Jahr schaust Du zurück und wunderst Dich, dass Du viele Sachen von früher nicht mehr essen kannst oder willst...

 

Und das ist bestimmt auch gut so... :)

 

 

So war es bei mir

Als Kind hätte ich mir im Restaurant meiner Eltern täglich die teuersten Filetsteaks bestellen dürfen - mein Vater erfüllte mir jeden Wunsch... Ich war 15 Jahre alt, als ich auf dem Hof meines Opas in der Slowakei sah, wie ein Kälbchen geschlachtet wurde. Noch einige Stunden zuvor blickte es mich mit seinen großen braunen Augen an. Ich war traurig, weil ich wusste, was ihm bevorstand.

(Foto: pixabay.com/alsen)
(Foto: pixabay.com/alsen)

 

Ich bin gelernter Koch. In meinem Ausbildungsbetrieb ekelte mich die Arbeit vor allem am Fleisch- und Fischposten (Fleisch auslösen, parieren, Blut und der Geruch davon, Knochen zerhacken, Fassane rupfen, Gänsestopfleber, Fische säubern, lebende Hummer ins heiße Wasser schmeissen, die danach noch viele Sekunden zappelten...) Irgendwann konnte ich kein Fleisch und keine schleimigen Fischeingeweide mehr sehen.

 

In Gourmetlokalen spielte vor 25 Jahren das Gemüse noch eine Nebenrolle, deshalb wollte ich mehr lernen und arbeitete nach der Lehrzeit in vegetarischen Restaurants. Mit 19 begann ich, mich mit Vegetarismus zu beschäftigten, und verzichtete 2 Jahre konsequent auf Fleisch.

 

1997 eröffnete ich mit meinem Zwillingsbruder in einer bayerischen Kleinstadt ein Lokal mit fleischloser Küche, das war damals einfach zu früh. Die Offenheit für Vegetarisches war noch nicht so groß, dass man als Gastwirt hätte davon leben können. Deshalb ergänzten wir die Gemüsegerichte später gezwungenermaßen mit Fisch- und Fleischspeisen.

 

Heute bin ich kein Vegetarier mehr und meide wegen Allergien Kuhmilch und Ei. Ich bezeichne mich aber als vegetarisch-vegan "gesinnt". Ich versuche, rein pflanzliche Speisen zu bevorzugen, verzichte aber nicht völlig auf Tierisches, z. B. esse ich ca. zweimal wöchentlich Fisch oder Fleisch und gönne mir hin und wieder Schafskäse...

 

 

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