"Ich kann einfach nicht mehr!"

Foto: unsplash.com - many thanks to "Fernando Cferdo" :-)
Foto: unsplash.com - many thanks to "Fernando Cferdo" :-)

 

 

„Du musst die Zähne zusammenbeißen, wenn es anstrengend wird. Versuche, schwierige Situationen auszuhalten und Unangenehmes zu ertragen. Es wird bestimmt irgendwann besser, oder du gewöhnst dich daran. Mit der Zeit wirst du widerstandsfähiger. Man muss sich halt im Leben durchkämpfen und Stärke zeigen - ja nicht schwach sein, sonst verlierst du die Kontrolle…“

 

Solche Formulierungen hast Du sicherlich schon einmal gehört. Vielleicht waren es gut gemeinte Ratschläge Deiner Mitmenschen, die Dich ermuntern sollten, Dich mehr anzustrengen. Aber ganz ehrlich, wieviel kostbare Energie musst Du aufwenden, wenn Du Dich durchbeißen und gegen etwas ankämpfen willst?

 

Jeder durchlebt dann und wann Phasen, die ihn an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Manche Situationen sind dermaßen mühsam, unangenehm und kräftezehrend, insbesondere wenn sie länger andauern, sodass sie den Betroffenen komplett erschöpfen. Die Frage ist jedoch:

 

 

Was erschafft tatsächlich die Erschöpfung? Die Überforderung oder der Widerstand gegen die Fülle an Herausforderungen?

Ein Beispiel aus meinem Leben als junger Koch:

Mit 21 Jahren trat ich meine neue Stelle in einem vegetarischen Stehimbiss in München an. In einem kleinen Geschäft mit winziger Küche ohne Abteilungen bzw. Posten konnte ich meinen Wunsch, nur noch mit Gemüse und nicht mehr mit Fleisch zu hantieren, so richtig ausleben. Wir bildeten ein Team von insgesamt fünf Personen - die spirituelle Inhaberin und mich dazu gezählt. Jeder sollte mit der Zeit alles können.

 

Mein Aufgabenbereich war riesig. In den ersten Wochen hatte ich Mühe, da mir Übung und Routine fehlten. Das Arbeitspensum überforderte mich. In meinem Kopf ratterte es, negative Gedanken, die wie eine Bremse wirkten, machten mir zu schaffen: Innerlich beschwerte ich mich und meinte, dass die Aufgaben in der angegebenen Zeit nicht zu bewältigen wären.

 

„Ich schaffe das nicht!“

 

Dieser Gedanke blockierte mich. Meine Chefin war natürlich daran interessiert, dass in ihrem Geschäft alle effektiv und gut arbeiteten. Als sie meine Widerstände bemerkte, forderte sie mich auf:

 

„Robert! Ich merke, dass Du angespannt bist. Sag, was dich bedrückt! Was macht dir zu schaffen?“

 

Ich war überrascht. Sie hatte wahrgenommen, dass es mir nicht gut ging. Ihre direkte Frage ermutigte mich, ehrlich zu antworten:

 

„Momentan zweifle ich daran, deinen Erwartungen und Anforderungen gerecht werden zu können!“

 

Meine Befürchtungen vor einer negativen Reaktion erfüllten sich keineswegs:

 

 

„Es ist in Ordnung, auch einmal Nein zu sagen und seine Überforderung einzugestehen!

Ich möchte dich aber bitten, deinen Widerstand aufzugeben, denn der existiert meist nur im Kopf! Blockiere den Flow nicht mit dem Gedanken, du würdest etwas nicht schaffen…“

 

Ihre Anregung bewirkte etwas in mir. Sie ergänzte noch:

„Wenn ein Nein ausgesprochen wird, passiert oft etwas Positives! Es werden Energien freigesetzt, das führt dazu, dass es irgendwie weiter geht. Dies konnte auch ich schon erfahren…“

 

Offensichtlich vertraute meine damalige Chefin darauf, dass ich über mich hinaus wachsen kann. Ich weiß nicht mehr, was tatsächlich der genaue Auslöser war, aber nach diesem Gespräch und meinem „Ich schaffe es nicht mehr!“ war alles anders. In mir tauchte eine neue Motivation auf. Monate später, als wir fünf bereits ein eingespieltes Team waren, fragte sie mich:

 

„Robert, weißt du noch, am Anfang in den ersten Wochen? Damals hast du nur eine Suppe und ein Tagesgericht zu kochen geschafft. Du warst überfordert. Im Gegensatz dazu fabrizierst du heute täglich zwei Tagesgerichte, zwei Suppen und triffst sogar Vorbereitungen für den nächsten Tag...“

 

 

Im Nachhinein erkannte ich: Ich hatte viel Energie für meinen Widerstand verschwendet.

Am Ende schafft man doch mehr, als man glaubt, das konnte ich aus dieser Erfahrung lernen. Ich möchte Dich ermuntern, Dir gerade in sehr belastenden Situationen einzugestehen, dass Du überfordert bist! Beispielsweise, indem Du Dich traust zu äußern:

 

  • „Ich kann einfach nicht mehr!“
  •  „Mir ist alles zu viel!“
  •  "Im Moment bin ich total überfordert!“
  •  „Ich bin am Ende meiner Kräfte!“
  •  „Meine absolute Belastungsgrenze ist erreicht!“
  •  „Ich halte es nicht mehr aus!“

 

Das kann nämlich erstaunliche Veränderungen bewirken und die beteiligten Energien neu sortieren oder umlenken. Eine momentane Schwäche oder Überforderung zuzugeben, das sehe ich persönlich als Stärke an. Nur leider herrscht in vielen Köpfen eine gegenteilige Vorstellung.

 

 

Foto: pixabay.com - vielen Dank an "Alexas Fotos" :-)
Foto: pixabay.com - vielen Dank an "Alexas Fotos" :-)

Ein Nein / ein Stopp in einer Partnerschaft, im Job, in Bezug auf etwas, das Dir in Deinem Leben zu schaffen macht,

kann wichtig sein und Bewegung in einen Zustand der Überlastung bringen, sodass er sich verändern kann.

Noch ein ähnliches Beispiel aus meiner Tätigkeit als Gastronom vor 23 Jahren. Ich hatte für mein Restaurant eine Köchin angestellt, die - genau wie ich in meiner Anfangszeit - die übertragenen Aufgaben nicht zur festgelegten Zeit schaffte. In der Küche herrschte eine unangenehme Spannung.

 

Die Mitarbeiterin gab zwar augenscheinlich ihr Bestes, doch ich fühlte, dass sie unter Stress stand. Jedenfalls kommunizierte sie nicht, sondern war eher wortkarg. Ich nahm ihre Nervosität wahr. Hinzu kam, dass die Gerichte, die sie zu kochen hatte, nicht so gut abgeschmeckt waren, wie ich es mir vorstellte. Diese Feinheiten fielen dem Zeitdruck zum Opfer, und so manches ging in der Küche schief.

 

Als ich die aufreibende und ungute Stimmung nicht mehr aushalten konnte, wenn wir gemeinsam in der Küche standen, fragte ich sie, was los sei. Am Ende kam heraus, dass sie mit ihren vielen Aufgaben überfordert war.

 

„Warum sagst du nicht rechtzeitig, dass es dir zu viel ist? Wenn ich das weiß, dann kann ich umdisponieren und die Aufgaben entweder selbst übernehmen oder an andere delegieren!“

 

Sie hatte sich einfach nicht getraut, litt unter ihrem selbst erschaffenen Druck, der wiederum die Atmosphäre im Team negativ beeinflusste. Ihre Schwierigkeiten zuzugeben erschien ihr als ein Zeichen von Schwäche, so war sie erzogen worden.

 

All das kam in unserem Gespräch heraus. Wer weiß, ob uns das Leben nicht deshalb als Arbeitgeber und Angestellte zusammengeführt hatte, damit sie lernte, ihre Schwächen einzugestehen.

 

 

Ich wollte als Chef, dass es gut läuft und unsere Zusammenarbeit harmonisch ist. Deshalb war ich bereit, ihr weniger Arbeit aufzubürden…

Sicher würde jeder wohlwollende Vorgesetzte so oder ähnlich handeln. Dieses Prinzip gilt im Grunde für alle Lebensbereiche sowie generell in den Beziehungen der Menschen untereinander, etwa in der Ehe:

 

Jeder liebevolle Partner wird Dich in Deiner Überforderung nicht im Stich lassen!

 

Davon bin ich überzeugt. Wer Dich aber verurteilt und im Zustand der Schwäche attackiert, der liebt Dich nicht wirklich…

 

Die meisten schwierigen Herausforderungen wie Erschöpfungszustände, Blockaden usw. erschaffen wir uns unbewusst selbst.

 

Traust Du Dich auszudrücken:

„Ich kann einfach nicht mehr!“ oder etwas Ähnliches, dann entsteht meiner Beobachtung nach die Chance, aus dem „Drama“ auszusteigen. Du nimmst Dich sozusagen mit dieser Aussage für einen Moment aus der Situation heraus und beginnst vielleicht, darüber nachzudenken, wie es zu dem Problem kommen konnte, möglicherweise auch, wie Du Dich in eine Lage bringen konntest, die Dir diese Grenzerfahrung beschert hat.

 

  • „Was habe ich daraus zu lernen?“
  • „Wie konnte es dazu kommen?“
  • „Was ist mein Anteil daran?“
  • „Wie verändere ich meine Situation?“
  • „Welche Entscheidung habe ich zu treffen, damit es besser und leichter wird?“
  • „Ist ein negatives Gedankenmuster im Spiel, welches mir nicht bewusst ist?“

 

Normalerweise tauchen nach diesen Fragestellungen Antworten auf. Im Gespräch mit Ratsuchenden habe ich festgestellt, dass viele bereits Vermutungen und Ahnungen zu den Hintergründen haben.

 

 

Wer sich zu viel zumutet, sich zu viel Verantwortung aufgebürdet hat oder hat aufbürden lassen, der sollte unbedingt reduzieren, abgeben usw., bevor ein Krankheitssymptom, ein Unfall oder ein Burnout ihn stoppt.

Es ist oft eine Gratwanderung. Doch wer versucht, sich darüber klar zu werden, ob ihn eine verstandesmäßige Selbstbegrenzung und ein innerer Widerstand daran hindern, über sich hinauszuwachsen und viel mehr zu bewältigen, als er anfangs glaubte, der wird meiner Erfahrung nach belohnt...

 

Falls Du aber ahnst, dass es das Eingeständnis braucht, am Ende Deiner Kräfte zu sein, dann trau Dich! Probier es aus! Mach es zuerst nur für Dich, wenn Du alleine bist. Sag zu Dir (laut oder leise):

 

„Ich kann einfach nicht mehr…“

 

Danach beobachte die nächste Zeit, was passiert! Was bedeutet es zuzugeben, dass Du im Moment an Deiner Belastungsgrenze bist?

Du bist ehrlich zu Dir und hast Deinen Ist-Zustand wahrgenommen. Du bejahst sozusagen, was Du im Moment fühlst, was Du Dir erschaffen hast...

 

Äußere daraufhin Deine Überforderung auch anderen Beteiligten gegenüber. Ich bin überzeugt, das wird Veränderungen anstoßen. Jeder, der Dir wohlwollend und freundlich gesonnen ist, wird Deinen Hilferuf ernst nehmen und Dir entgegenkommen. Oder es ergeht Dir so wie mir:

 

Du entdeckst, dass Du viel mehr Kraft in Dir hast, als Du denkst, um Meisterleistungen zu vollbringen und Schwierigkeiten zu bestehen…

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ute (Montag, 19 Oktober 2020 08:43)

    Hallo Robert,
    Danke für den tollen Artikel.
    Meine Erfahrung mit wohlwollenden und anderen Chefs: sie versuchen alle, ihre Ziele zu erreichen, selbst gut dazustehen. Bei mir hat ein verbales Nein (es ist zu viel) nie gereicht, ich musste meinen Weg selbst finden wie ich das Zuviel so reduzieren konnte, dass es für mich wieder ok war. Diese Erfahrung teile ich mit vielen meiner KollegInnen. Nach dem Motto: reden hilft wenig, du musst handeln. Schade, aber ich habe so gelernt zu handeln �

  • #2

    Seelenforscher.eu (Montag, 19 Oktober 2020 16:49)

    Hallo liebe Ute,
    vielen Dank, dass Du diesen Artikel gelesen hast. :-)
    Das stimmt, es gibt genügend Chefs, die nicht gerade rücksichtsvoll ihre festgelegten Ziele erreichen wollen. Ich stimme Dir voll zu. Wenn es nicht reicht, dem Vorgesetzten Grenzen aufzuzeigen, muss man handeln.

    Auch ich hatte noch weitere Arbeitgeber in meiner gastronomischen Laufbahn, die mich nicht gut behandelten. Einmal gab es eine unschöne Erfahrung: Ein Geschäftsführer stand nicht hinter mir und lies mich sozusagen in einer Situation so richtig auflaufen. Für mich war danach klar:

    Dieser Mensch hat mich nicht verdient, ich habe dann gekündigt... Jedenfalls ist zu handeln das A und O und das Vertrauen, dass man irgendwann dort ankommt, wo man richtig ist und wertgeschätzt wird. Viele Grüße
    Robert :-)