Wenn die Liebe alles heilt

Foto: ©iStock.com/weerapatkiatdumrong
Foto: ©iStock.com/weerapatkiatdumrong

 

Wenn die Liebe alles heilt, warum fällt es uns dann im Alltag oft so schwer, Liebe zu empfinden, zu leben oder liebevoll zu handeln? Ich habe es zigmal in den verschiedensten Büchern gelesen: Wir Menschen sind auf der Welt, um Liebe zu verbreiten. So können wir unser Umfeld wertvoller machen und zum Guten verändern.

 

Alles, was existiert, profitiert von diesem Gefühl und nimmt die Qualität wahr. Denn jeder, der aufmerksam durch sein Leben geht, bemerkt früher oder später den Unterschied, ob:

 

- Menschen Liebe weitergeben und liebevoll miteinander umgehen

- jemand seine Arbeit liebt oder sie nur als lästige Verpflichtung sieht

- ein Essen mit Liebe gekocht wurde oder nicht

- Produkte, die wir konsumieren, mit dieser "speziellen Energie"
  hergestellt worden sind uvm.

 

Man kann Liebe in der Atmosphäre eines Raumes, Hauses oder Unternehmens spüren. Wir fühlen uns dann gut, aufgehoben und haben nicht den Impuls. so schnell wie möglich zu flüchten...

 

 

Wissen wir überhaupt, was Liebe ist?

Um Unterschiede feststellen zu können, ist es logisch, dass wir wissen müssen, was Liebe überhaupt ist. Besser gesagt, wir müssen sie erfahren haben!

 

Die erste Liebe, die ein Neugeborenes spürt, ist die der Eltern (hoffentlich). Ich persönlich hatte Glück: Als Kind fühlte ich mich von meinen Eltern geliebt. Und wenn Mamas und Papas in ihrer Kindheit geliebt wurden, werden ihre alltäglichen Handlungen eine andere Qualität haben. Sie werden idealerweise Berufe ausüben, die sie lieben. Dies strahlen sie auch aus und inspirieren so ihr Kind. Wenn zusätzlich noch die Selbstliebe der Heranwachsenden gestärkt, der Fokus auf Stärken und Talente anstatt auf Schwächen gerichtet wird, ist eigentlich alles perfekt.

 

Leider ist die Realität oft eine andere: Häufig gab oder gibt es Stress, weil z.B. der Nachwuchs nicht gewollt war, der Vater fehlte, die Mutter überfordert war oder Vorfahren Schwierigkeiten mit lieblosen Eltern hatten. Wie kann etwas Wohlwollendes an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden, wenn einzelne Mitglieder der Ahnenfamilie aufgrund persönlicher Konflikte weder Liebe empfangen noch weiterleiten konnten? So sind Nachkommen entstanden, die sich sehnlichst Anerkennung und diese "höchste Form der Gefühle" wünschten, jedoch nie bekamen...

 

 

Die Liebe und der Glaube

In Religionen wird ebenfalls immer von Liebe gepredigt: Gott liebt alle seine Geschöpfe, und wer einmal die allumfassende Liebe erfahren hat und sie anderen beschreiben will, kann diese Energie kaum in Worte fassen. Man muss sie erlebt haben, um zu verstehen...

 

Ich bin als Kind katholisch geprägt worden und war eine längere Zeit braver Ministrant. Nach einigen Jahren bemerkte ich, dass ich ungern in die Kirche ging. Für mich war es eine zwiespältige Situation. Aufgrund meiner Erziehung dachte ich pflichtbewusst: "Du bist dann ein guter Mensch, wenn du regelmäßig zum Gottesdienst gehst...", doch gefühlsmäßig empfand ich dabei große Unzufriedenheit und ein Unwohlsein in mir.

 

Im Grunde war ich jedes Mal froh, wenn die Messe vorbei war. Ich ignorierte vieles, was mir nicht mehr gefiel, und anfangs dachte ich nicht weiter darüber nach. Doch je älter ich wurde, desto weniger passte es für mich, mich "katholischen Schwingungen" auszusetzen. In mir herrschte ein deutlicher Konflikt zwischen Herz und Kopf.

 

Die Priester sprachen in ihren Predigten permanent von der Christusliebe, Nächstenliebe etc. und wie toll es doch sei, dass Jesus auf die Welt gekommen war, um die Menschen zu retten und zu erlösen. Auch, dass das Leben deshalb viel leichter wäre, mit dem Glauben an Gottvater und Gottessohn.

 

Die Worte hörten sich eigentlich ganz gut an, doch ich fühlte in meinem Leben keine Leichtigkeit, ich verstand es nicht, oder ich konnte bei kirchlichen Zeremonien keine Liebe fühlen... Lag es an den alten Pfarrern, die die Worte nur noch routiniert herunter leierten? Als wären sie ihres Berufes müde geworden? Oder war ich anders als meine Eltern, die einen tiefen Glauben besaßen? Meine Probleme als Jugendlicher wurden trotz meiner Frömmigkeit nicht weniger...

 

Heute fühle ich mich zwar als Christ und glaube an das Göttliche, doch ich brauche keine Religion, die mir Vorschriften macht, erst recht keine katholische Kirche. Ich bin sicher: Damals als Ministrant habe ich die Themen nicht wirklich mit meinem Herzen verstanden. Ich zweifelte lange, ob ich die Qualität von Liebe oder göttlicher Liebe jemals mit allen Sinnen begreife würde?

 

 

Ersatzliebe oder echte Liebe?

"Weiß ich überhaupt, was Liebe ist?" - eine Frage, die mich lange begleitete! Vor allem deshalb, weil in mir als Zweifler ständig der Gedanke präsent war: "Vielleicht redest du dir nur ein, Liebe erfahren zu haben, verwechselst es aber mit Ersatzliebe oder angeblicher Liebe, die zur Zweckerfüllung eingesetzt wurde...", nach dem Motto: "Ich liebe dich erst, wenn du so bist, wie ich es will" oder "Gott liebt dich nur, falls du nicht sündigst und die Kirche tut es erst dann, wenn du am besten nichts in Frage stellst..."!?

 

Das Thema Liebe spielt im Bereich der Heilung eine große Rolle. Viele Heiler betonen: "Krankheit ist die Abwesenheit von Liebe", und das Organ oder die Körperregion, die schmerzt, wünscht sich Aufmerksamkeit und Annahme, um zu gesunden...

 

An dieser Stelle stellt sich mir die Frage, ob der Kranke trotz seiner Konflikte (die im Organismus Negativität entstehen ließen) tatsächlich in der Lage ist, sich liebevoll der Schmerzregion zuzuwenden?

 

Es braucht die Fähigkeit, in sich bedingungslose Liebe zu aktivieren und dort, wo Heilung nötig ist, hinzuschicken! Man kann es schaffen, indem man sich an eine Situation erinnert, in der man ganz sicher ist, bedingungslose Liebe gefühlt zu haben, ob von Familienmitgliedern, vom Partner, von göttlichen Instanzen usw.

 

Auch in der Familie oder Partnerschaft wäre dies ideal. Bedingungslos heißt übrigens, ohne Gegenleistungen einzufordern, und das schließt auch ein, sein Gegenüber mit seinen Fehlern und Schwächen zu lieben. Ich bin überzeugt: Wer tatsächlich liebt, kann jeden Menschen so sein lassen, wie er ist, auch wenn es weh tut...

 

 

Ich meine zu wissen, warum es uns so schwer fällt, im Alltag wahrhaftig zu lieben:

1. Wir wurden schon früh durch Liebesentzug und Ängste manipuliert, so wollte man uns bremsen, lenken und formen.

 

2. Die Menschen, die uns Zuneigung gaben, z.B. unsere Eltern, erfuhren früher selbst immer nur Liebe mit Einschränkungen (oft war es nur eine Ersatzliebe - verknüpft mit einer Leistung).

 

3. Liebe und Wohlwollen waren nicht vorhanden, weil wir ständig mit anderen verglichen und kritisiert wurden (der Fokus war permanent bei dem, was nicht funktionierte).

 

4. Wir begannen daraufhin, uns unterbewusst von der existierenden allumfassenden Liebe abzuschneiden - durch unsere verurteilenden Gedanken, wie z. B.: "Die anderen lieben mich nicht, ich bin schlecht, nicht gut genug, ich verdiene es nicht..."'

 

5. So konnte über die Jahre auch nicht das notwendige Maß an Selbstwertschätzung und Selbstliebe entstehen, die es braucht, damit man "übersprudelt" und seine Mitmenschen berühren kann.

 

6. Und natürlich sind da viele Emotionen, die hochkommen, wenn wir uns ärgern, uns verletzt oder ungerecht behandelt fühlen. Genauso, wenn wir das, was wir uns wünschen, nicht erreichen und scheitern. Dieser Zustand führt bekannterweise dazu, dass wir viel Energie für Widerstand aufbringen müssen und Konflikte nicht loslassen können. Bis Jahre später Krankheiten entstehen...

 

 

Doch wir können es ändern!

Indem wir als Erstes niemanden als Täter verurteilen, der angeblich Schuld an unseren Schwierigkeiten ist, weil er uns zu wenig Liebe gegeben hat. Oder, der verantwortlich dafür ist, dass wir einen Mangel erlitten und heute als Erwachsene mit Problemen behaftet sind. Ratsuchenden, die zu mir kommen, versuche ich bewusst zu machen: Die Eltern, Familienmitglieder, Partner etc., die nicht in der Lage waren, wohlwollend zu sein, sind selbst Opfer von Opfern, es gibt immer Hintergründe, die den Beiteiligten nicht bewusst sind...

 

Meine Erfahrung ist: Es fällt nicht leicht, jemandem, der nicht liebevoll war, zu vergeben bzw. sich für Vergebung zu öffnen, doch es ist das Einzige, das dauerhaft Heilung schafft.

 

Einen Menschen aus seinem Leben zu verbannen, ohne den Konflikt geklärt zu haben, ist nur Verdrängung und wird sich irgendwann energetisch (am Ende auch physisch) bemerkbar machen - sich mit negativen Aktionen zu rächen ebenfalls.

 

Du kannst bedingungslose Liebe erfahren, wenn Du beispielsweise beginnst, alles an Dir wertzuschätzen, auch deine „Fehler“, und das, was sich in deinem Leben zeigt, anzunehmen. So kannst du aufhören zu kämpfen und hast Kraft für Wichtigeres.

 

Hör auf, Dinge zu tun, die du nicht liebst.

 

Hinterfrage Dein Beziehungsumfeld! Beende Kontakte mit Menschen, die du im Grunde nicht mehr liebst.

 

Mach es anders! Mach alles, was Du tust, mit Liebe! Sollte es dennoch unliebsame Verpflichtungen geben, die erledigt werden müssen, versuche Deine Einstellung zu ändern und eine liebevolle Haltung zu entwickeln. So sendest Du Akzeptanz aus und nimmst an, was im Moment ist. Das schafft eine Energie, die dazu führt, dass sich Dinge verändern.

 

Und so heilst Du Dich, Dein Umfeld und andere...

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    annelie (Dienstag, 08 Dezember 2015 17:32)

    Hallo Robert,
    in diesem Beitrag beschreiben Sie u.a. im Grunde die Leidensgeschichte zwischen mir und meiner Mutter, die eigentlich unser ganzes Leben überschattet hat. Die meisten Verhaltensweisen, die Sie aufzählen, habe ich am eigenen Leibe erlebt, und das Schlimme ist, ich habe es meiner Mutter fast lebenslang verübelt. Dabei weiß ich, dass sie mich geliebt hat, ich wusste es auch früher schon, und es gibt unendlich vieles, wofür ich ihr immer dankbar war und bin. Dennoch stand eine Wand zwischen uns, solange sie lebte, die nicht zu überwinden war. Erst mit ihrem Tod begann sich das zu ändern.
    Ich wusste auch früher schon, dass jeder Mensch nur das geben kann, was er in sich hat, und dass wir einander verzeihen sollen, weil wir alle unvollkommen sind. Ich wusste, meine Mutter war der Meinung, richtig zu handeln, aber verstehen konnte ich es nicht. Als ich selbst Kinder hatte, fand ich es nicht so schwer, sondern eigentlich einfach und klar: Ich war sicher, man muss Kinder nicht erziehen. Man muss sie nur lieben und sie beschützen und ihnen helfen, sich im Leben zu orientieren.
    Manchmal fürchte ich heute noch, meiner Mutter nicht vergeben zu haben, obwohl ich jetzt eigentlich mehr an das denke, was ich selbst ihr gegenüber versäumt habe. Allerdings glaube ich, dass ich in meiner Rolle als Kind mich wohl gar nicht anders verhalten konnte. Dennoch ist es sehr traurig: Wir konnten uns auf Erden nicht wirklich begegnen, unsere Liebe konnte nicht fließen.

  • #2

    Seelenforscher.eu (Dienstag, 08 Dezember 2015 22:46)

    Liebe Annelie,
    vielen Dank für Ihr Kommentar und Ihre Offenheit. Oft werden wir in der Familie oder in anderen Bereichen in Rollen gezwängt, aus denen wir nur schwer aussteigen können. Wir würden gerne anders handeln, schaffen es aber nicht, weil die bestehenden Felder der jeweiligen Menschen eine starke Energie haben (dort sind die bisherigen Erfahrungen, Konflikte, Ladungen usw. gespeichert)...

    Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke: Das Gefühl der Vergebung erreicht auch Verstorbene. Auch nach dem Tod ihrer Mutter können Sie ihr ein "Ich verzeihe dir" schicken. Ich persönlich bin überzeugt: Es wird die Seele Ihrer Mama erreichen und Sie werden das fühlen!
    Viele Grüße
    Robert :)

  • #3

    Katharina (Dienstag, 17 April 2018 18:32)

    Wie wahr, wie echt, wie natürlich das alles ist was hier geschrieben, beschrieben ist, unser aller Weg hier auf Erden, beim Einen steiler, beim Anderen flacher, schwerer, leichter, kann alles nur unterstreichen, bin auch diesen Weg gegangen, habe sehr viel, sehr lange darüber nachgedacht, gelesen, so mich weitergebildet, jahrelang vielleicht Jahrzehnte, und so, bin ich angekommen, ja, angekommen nenn ich es, es ist das schönste, passendste Wort für mich, es ist wirklich die Liebe die alles löst, alles heilt, wir brauchen sonst nichts, als zu lieben , was ist, wer ist, wo es ist, dann ist man immer glücklich, dann gibt es " LIEBE FÜR IMMER " FÜR JEDEN " FÜR ALLES " " FÜR MICH"
    "ALLES LIEBE VON MIR"

  • #4

    Katharina (Dienstag, 17 April 2018 18:38)

    " JETZT WEISS ICH WIRKLICH WAS LIEBE IST "

  • #5

    Seelenforscher.eu (Sonntag, 05 August 2018 12:36)

    Hallo liebe Katharina,
    ich habe doch glatt verpasst auf Deinen Kommentar zu antworten! Danke für Deine Geduld.

    Vielen Dank, es freut mich, wenn Du Dich in diesem Artikel wiedergefunden hast :)

    Oh ja! Das Wort "angekommen" finde ich echt toll! Ich wünsche es jedem - dieses Gefühl, angekommen zu sein. Genauso auch zu erfahren, was bedingungslose Liebe ist...
    Herzliche Grüße
    Robert :D