Kämpfst Du noch oder lebst Du schon?

Foto: ©iStock.com/kieferpix
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Meine Beobachtung ist, der Kampf ist ein ständiger Begleiter in unserer Gesellschaft! Das merkt man z. B. an dieser weit verbreiteten Einstellung: "Du musst kämpfen, wenn du etwas erreichen willst" oder"du musst dich im Leben durchboxen".

Der Kampf beginnt schon, bevor Du auf die Welt kommst, nämlich während der Schwangerschaft, wenn Deine Mutter zweifelt, ob alles gut geht, ob sie es schafft, eine gute Mami zu sein. Diese Gefühle irritieren Dich als Embryo und führen zu inneren Zweifeln. Danach kämpfst Du Dich bei der Geburt mit dem großen Kopf ans Licht.

 

Ein Kleinkind bemüht sich, groß und stark zu werden. Wenn etwas nicht gelingt, wird es traurig oder versucht es noch einmal. Beim Gehen lernen fällt es immer wieder hin und strampelt sich motiviert nach oben, weil es ein instinktives Ziel hat.

Folgen Mädchen und Jungs nicht, kämpfen ihre Eltern gegen den Trotz. Später gegen die Rebellion ihrer Kinder...

 

In der Schule kämpfst Du Dich durch unliebsame Verpflichtungen und starre Lerninhalte, die Lehrer kämpfen mit der Lustlosigkeit und Demotivation ihrer Schüler...

 

Als Junger Mensch bist Du oft gegen Erwachsene und deren veraltete Vorstellungen vom Leben. Prägungen und Erziehungsregeln Deines Elternhauses versuchst Du früher oder später abzuschütteln und setzt Dich über Begrenzungen hinweg.

 

In der Berufsausbildung lernt man in der Regel, sich unterzuordnen und gleichzeitig braucht es extreme Anstrengungen, um neben den Profis bestehen zu können. (So war es zumindest in meiner Kochlehre. Dort gab es nur wenige Ausbilder, die meine jugendliche Unsicherheit NICHT ausnutzten. Die anderen hatten Genuss daran, mich aufgrund meiner Unerfahrenheit unter Druck zu setzen. So lebten sie von meiner Energie...)

 

In der Liebe kämpfst Du gegen Deine Gefühle oder gegen die Vernunft. Auch für die richtige Partnerin oder den richtigen Partner. Im schlimmsten Fall kämpfst Du Jahre später um Scheidungsdetails vor einem Gericht...



Wenn es weiterhin nicht so gut läuft

In (häufig ungeliebten) Berufen strengst Du Dich an, um Geld zu verdienen, um für Dich (und falls Du Kinder hast, für Deine Familie) alle Fixkosten zu finanzieren. Voller Anstrengung willst Du Anerkennung und Aufmerksamkeit Deiner Vorgesetzten und Deiner Mitmenschen. Bist Du unzufrieden, ackerst Du noch mehr oder demonstrierst für Arbeitszeitverkürzung, einen höheren Lohn usw.

 

Wenn der Staat nicht genügend für Dich übrig hat, forderst Du kämpferisch zusätzliche Leistungen, mehr Schutz, mehr Regelungen und mehr Gerechtigkeit. Innerlich wehrst Du Dich gegen Politiker und ihre Aktionen.

 

In einer Gesellschaft lebst Du nach bestimmten Idealen und Überzeugungen und diese verteidigst Du mit anderen - falls es sein muss, auch mit Gewalt. Du gehörst zu den Menschen, die Altes bzw. Traditionen bewahren wollen? Dann sind Veränderungen für Dich unbequem und bedrohlich. So sträubst Du Dich gegen sie und hast Schwierigkeiten, sie anzunehmen.

 

Geht es Dir später gesundheitlich nicht gut, kämpfst Du gegen Krankheiten, gegen Deinen Körper und ärgerst Dich, dass er nicht funktioniert. Du haderst mit Deinem Schicksal und fragst Dich: "Warum ich?" Du fühlst Dich ohnmächtig, als Opfer...

 

Je nachdem, ob Du bereit bist und es schaffst, Dein bisheriges Leben, Deine Haltung und Vorgehensweise zu verändern, vergehen Krankheitssymptome. Wenn alte, innere Konflikte nicht geklärt werden, Du gegen Deine Bedürfnisse handelst und Du auf Dauerkampf gepolt bist, musst Du irgendwann den Kampf gegen Krebs aufnehmen - hoffentlich nie!

 

Wohl jeder versucht sich eine Weile gegen das Älterwerden zu wehren und sträubt sich einzugestehen, dass alles in permanentem Wandel ist. Gedanklich flüchtet man in diesem Fall gerne in die Vergangenheit. Ein Leben lang verdrängst Du das Thema Tod. Am Ende kämpfst Du gegen das Sterben (ich hoffe erst im hohen Alter).

 

Ganz schön negativ, oder?

 

 

Aber sind meine Wahrnehmungen überhaupt richtig?

Ist Kampf das, was zum menschlichen Dasein dazugehören muss? Wie kommt es, dass diese Aktivität im Alltag vieler so ein großes Motto ist? Sicherlich ist diese Energie in bestimmten Situationen wichtig, um vorwärts zu kommen, um sich aus dem selbst geschaffenen Sumpf zu ziehen, sich zu befreien.

 

Wenn diese Haltung aber zum Grundprinzip geworden ist, wird sie zum permanenten Energieräuber! Sie macht auf Dauer krank. Wie konnte es passieren, dass wir uns die Sichtweise "Das Leben ist ein Kampf" überhaupt haben einprägen lassen, frage ich mich?

 

Und warum habe ich selbst da so lange (bis 2011) mitgemacht, bis ich einen Burnout hatte? Diese Gesinnung war wie ein Filter, der mich positive Aspekte meiner Gegenwart nicht hat erkennen lassen!

 

Gegen den Strom zu schwimmen ist möglich und manche halten das eine Weile aus. Aber sich gegen das Leben und dem, was sich zeigt, permanent zu wehren, indem ich es nicht annehme, ist auf Dauer nicht durchzustehen. Ist es nicht besser im Leben zu sagen, bei allem, was passiert: "Es ist so wie es ist", auch wenn es einem nicht gefällt? Akzeptanz statt Rebellion. Zumindest den Versuch zu starten. Ist das schaffbar?

- Mit dem Kämpfen aufhören, bewusst aufgeben

 

- Sich ergeben, vom Widerstand ablassen

 

- Streitpartnern vergeben, loslassen

 

- Zu dem, was sich zeigt Ja sagen, hingeben

 

- Geschehen lassen

 

- Die Ausrichtung ändern

 

- Innere Kräfte bei sich halten, um Power für das Wichtige zu haben, nämlich Aktivitäten, die Freude und Liebe aufkommen lassen.

 

So steht mir mehr Energie zur Verfügung, weil ich sie nicht mehr in Kämpfen vergeude.

 

Wenn ich meiner Intuition und dem Leben vertraue,

suche ich mir instinktiv das aus, was zu meinem Naturell passt. Höre ich auf meine innere Stimme und lasse mich nicht von verstandesorientieren Meinungen anderer beeinflussen, braucht es keinen Kampf! Das Leben schenkt mir wohlwollende Fügungen und mir stehen Kraftquellen zur Verfügung, die mich unentwegt mit Energie versorgen.

 

Dann habe ich so viel, dass ich andere Menschen um mich herum anstecken kann, ebenfalls ihrem Herzen zu folgen - so inspiriere ich. Kampf ist dann nur eine Seite, für die sich ein Teil meines Umfeldes entschieden hat. Ich trete aus diesem Kreis aus und muss niemandem erklären, warum!


Völlig andere, positive Dinge warten auf mich, falls ich vertraue, dass:


- ich fühlen werde, wenn es Zeit ist, Gewohntes zu verändern

 

- es einen Plan gibt: Alles, was mir widerfährt ist notwendig, um Erkenntnisse zu sammeln

 

- sich alles früher oder später zum Besten fügt, trotz unangenehmer Ereignisse

 

- Schicksalsschläge, so schlimm, traurig, enttäuschend sie sich auch anfühlen, kein Zufall sind und neben dem Leid ebenso ein Geschenk beinhalten

 

- ich nur komplett bin, wenn ich neben Positivem auch Negatives erlebe und dadurch innerlichen Wachstum und Stärkung erfahren kann...

 

Alles, was sich im Leben zeigt, hat seinen Grund, damit Deine Seele Erfahrungen machen kann. Und wenn etwas tatsächlich sein soll, dann wird es sich ergeben, auch ohne Dein krampfhaftes Wollen.

 

Treffe selbst Deine Wahl, ob wie bei mir früher, Kampf das gesamte Leben bestimmt oder ob Du endlich beginnst zu leben, ob Du geduldig alles annimmst, was sich zeigt (jedoch nicht damit Deine Visionen aufgibst).

 

Ich habe mich vor 4 Jahren fürs Leben und gegen das Kämpfen entschieden, indem ich meinen ungeliebten Job (als Gastronom) losließ. Heute verfolge ich meine Ziele und versuche meine Wünsche wahr werden zu lassen. Es wäre unrealistisch, zu sagen: "Das ist total leicht", aber eines steht für mich fest:

 

Ich werde bei allem, was noch kommt, Folgendes NICHT machen: Kämpfen!